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Sakrale Texte

  • Villa Schöne Felder Schaetzlerstraße 34 Augsburg Deutschland (Karte)

Jenseits des Profanen suchen wir nach jenem göttlichen Funken, der in der Sprache Erlösung bringt.

Das Literaturhaus Augsburg ist zu Gast in der neuen Villa Schöne Felder. In der hauseigenen Kapelle (“Kein Roter Elefant”) katapultieren wir Euch mit Texten in eine andere Welt. Denn die Kunst braucht Metaphysik. Texte, die alles verändern. Texte, die Euch in neue Zustände versetzen. Texte, die das Göttliche sichtbar machen. Beinahe.

Beginn ist um 20 Uhr in der neuen Villa Schöne Felder. Eingang Schaezlerstraße 34. Eintritt auf Spendenbasis.

Warum schöne Texte? Warum überhaupt noch Literatur? Wir lassen die Texte sprechen. Allein durch die Verwendung des Begriffs Literatur scheinen wir schon aus der Zeit gefallen. Von Literatur als Überlebensserum ganz zu schweigen, aber es ist uns ernst.

Wie es das Schicksal wollte, erbte Katrin M. im Jahr 2014 von einer entfernten Tante, die Anfang des 20. Jahrhunderts Abermillionen im Lotto gewonnen hatte, eine wahnwitzig überdimensionierte Villa in Oberhausen am Fluss Wertach. Sie nannte sie in einem Anfall von Genialität Villa Aurora und baute sie schließlich unter Verschwendung zusätzlicher Millionen Steuergelder zu einem echten Literaturhaus aus. Von da an lebten Katrin M., Dr. D. und ich nicht nur zu dritt in dieser großen Villa. Nein, wir lebten nur noch für die Kunst. 

“Hallo Freund”, sagt er plötzlich, ganz leise.

“Entschuldigung, ich wollte nicht stören, aber ich bin fertig … mit allem …”

“Schon gut, ich habe dich erwartet. Du kommst, um dein Zeugnis zu holen …”

“Ja, das stimmt, wie war ich denn? War ich zu albern?”

“Kein Ding gerät, an dem nicht der Übermut seinen Teil hat.”

“Götzendämmerung!”, sage ich.

“Genau …”, nickt er.

“War es denn interessant?”

“Ja, interessant. Und jetzt: Bist du frei? Frei im Kopf?”

“Ja, frei.”, sage ich.

“Ohne Leiden?”

“Keine Leiden. Keine Sorgen.”

“Bemerkenswert. Mir geht es nicht so gut … Wissen ist Nacht …”

[…]

Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erheben sich in einiger Entfernung. Was mich aber mit voller Macht anzieht, ist ein leuchtendes Quadrat, das etwas erhöht liegt. Als ich näher komme, sehe ich, dass es eine Öffnung in der Grotte ist, durch die das weisse Tageslicht hereinscheint. Die Öffnung weitet sich, der ganze Himmel wird sichtbar. Dann stehe ich im Freien. Das Licht ist heller und milder als gewöhnlich. Ich steige weiter empor. Es geht steil hinauf, strengt aber kaum an.

Ich fühle der Sonne

Verjüngende Flut

Zu Balsam und Äther

Verwandelt mein Blut.

Die Luft ist dünn. Sie wird immer dünner. Dann bin ich oben.

Über mir nichts. Unter mir nichts. Alles umher ist weiss.

Ich fühle mich leicht.

Ich habe keine Angst.

Ich bin frei.


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5. November

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