Das Haus sei unseres Wirkens Stätte
Wer will schon eine Nacktschnecke sein.
Lange war das hyperreale Literaturhaus Mittelpunkt des literarischen Lebens in Augsburg. Doch der Wunsch nach einem repräsentativen Haus in zentraler Lage wurde in der Bevölkerung zuletzt immer lauter. Dr. B, Dr. D, und Katrin M, die sich als Dienstleister*innen verstehen, machten sich also auf die Suche nach einer Bleibe.
Langwierige Diskussionen um ein repräsentatives Literaturhaus in Augsburg werden von den Mitarbeiter*innen ganz pragmatisch angegangen. Sie machen sich auf den Weg und manifestieren die Weisheiten "Von nichts kommt nichts” und “Selber machen”.
Dr. D. und Dr. B. prüfen fachmännisch die Substanz des vornehmen Hauses. Sie sind sehr konzentriert bei der Sache. Denn dabei dürfen keine Fehler unterlaufen. Dr. D. erkannte sofort, dass etwas mit der Statik des Gebäudes nicht stimmte. "Vielleicht ja lieber doch nicht.”
“Wie wäre es mit dieser Metzgerei?” fragt Dr. D. Es roch noch nach frischem Blut und Hormonen. “Eine Metzgerei…Naja, das hätte sicher viele Vorteile", denkt Dr. B, während ihm beim Gedanken an ein saftiges Onglet-Steak in der Literaturhaus-Kantine das Wasser im Mund zusammenläuft. “Es geht mir gar nicht um das viele gute Fleisch der Metzgerei!” beteuert er. “Meine fachmännische Expertise auf den Gebieten Statik, Bauen und Literatur lassen mich zu dem eindeutigen Ergebnis kommen, dass das Gebäude perfekt ist für unsere Zwecke. Das Fleisch spielt dabei keine Rolle.” lügt er dreist.
“Würde dieses hier nicht ein grandioses Literaturhaus abgeben?” fragt Dr. D. scheinbar unschuldig und packt wie zufällig einen Meterstab aus. “Dafür brauchen wir doch keinen Meterstab! Das wäre doch gelacht!” sagt Dr. B. großmäulig. “Ich messe das ganz ohne Werkzeug!” Dr. D. schien überzeugt von dieser brillanten Idee, maß dennoch zur Sicherheit nach.
Nach langer Suche auf dem abgegrasten Immobilienmarkt war es irgendwann einfach da: DAS Haus! "Unser Haus!", strahlten Katrin M, Dr. B und Dr. D einstimmig nach einer ausgeibigen Besichtigung unter gegebenen Sicherheitsbestimmungen.
Dr. D. ist mittlerweile überzeugt davon, dass mit den Messergebnissen etwas nicht stimmte. Um Dr. B.s Armmessmethode zu überprüfen, misst Dr. D. zur Sicherheit die Breite eines Zebrastreifens, denn… “Messen ist vergleichen”, doziert sie.
Und sofort gediehen die ersten konkreten Pläne. “Einen Pool könnte man doch sicher auch abrechnen…” denkt Dr. D. laut nach. "Elefanten und Papageien am Literaturhaus-Pool sind dann nur logisch.” bestätigt Katrin M. “Ich glaube in der komplizierten Sprache der Amtsstuben" nennt man das “Materialien”, mischt sich Dr. B wissend ein. “Ich glaube, so kommen wir nahbar und freundlich rüber und nicht elitär-distanziert wie die anderen Literatur-Futzis.” ist Dr. D. überzeugt.
Nachdem die Dachziegel angestrichen waren, gingen die Bauherren in die wohlverdiente Pause.
Trotz Baustelle - das daily business muss natürlich weitergehen. Die Doppel- und Dreifachbelastung zehrt an den Nerven. Aber bald findet jede und jeder eine Möglichkeit des Stressabbaus. Dr. B badet seine wunden Füße gerne in kaltem Eiswasser, Katrin M liest in alten Poesiealben und Dr. D telefoniert stundenlang mit einem Zoodirektor in Belgien.
"Das wichtigste ist, sich einfach zu trauen." beteuert Dr. B und greift energisch zum nächsten Werkzeug. Unzählige YouTube-Videos trugen zur Ausbildung einer allumfassenden, fachmännischen Expertise bei. So dürften die Renovierungsarbeiten schnell und reibungslos ablaufen. Ein leuchtendes Beispiel für lebenslanges Lernen.
Dr. B, gar nicht träge, Sägte heimlich mit der Säge, Ritzeratze! voller Tücke, In das Kabel eine Lücke. Poesie am Bau - klar geht das! (Wer das obige Zitat erkannt hat, kann uns die Lösung unter info@literaturhaus-augsburg.de zusenden und so an unserem Gewinnspiel teilnehmen, das wir uns bald ausgedacht haben werden).
"Wenn man hier zieht, fährt sich automatisch ein Balkon aus.” erklärt Dr. B. “Der Mechanismus funktioniert ganz sicher!” beteuert er gegenüber der Führungsriege des Literaturhauses, die völlig zu Unrecht Skepsis äußert.
"Mehr Licht!" befiehlt Katrin M. Dr. B geht sofort in die Umsetzung. Dr. D hingegen tut sich noch etwas schwer mit dem richtigen Baustellenoutfit. "Aber die Handtasche ist safe", freut sie sich.
Natürlich wird es auch in Zukunft wieder einen Kinder- und Jugendliteratur-Bereich geben. Und wer kennt die Bedarfe der jungen Generation besser als sie selbst? Das Literaturhaus Augsburg.
Wenn Du zwischen 3 und 13 Jahren bist, kannst Du Dich als Helfer*in auf unserer Baustelle bewerben: info@literaturhaus-augsburg.de - Bitte Getränk und Pausensnack nicht vergessen!
"Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, also weg da!", schubst Dr. D den bemühten Dr. B zur Seite. "Sonst fliegt uns hier noch alles um die Ohren!"
Dr. B verlegt sich deshalb auf´s sogenannte "Schlitzen". Das Schlitzohr - LOL
Vorberetung zum großen Pressetermin. Die Öffentlichkeit ist natürlich brennend an den Fortschritten interessiert. "Wir müssen AUTHENTISCH aussehen!", befiehlt Dr. B.
"Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen, klappt die Zusammenarbeit hervorragend!" ließ die Pressesprecherin des Literaturhauses verlautbaren. "Die Gerüchte über angebliche Gewaltexzesse und handgreifliche Auseinandersetzung innerhalb des Teams weisen wir in aller Deutlichkeit zurück."
Das muss andersrum. "Ich verstehe nicht, wie das helfen soll.", bemerkt Dr. D.
So! Bitte nicht!
"Wände gehören geklöppelt, NICHT geschweißt!", ist sich Dr. B. sicher.
