Rom alt und neu: Simon Strauß las am 15. Januar im Römischen Museum in Augsburg


Was ist Rom heute? Kann uns die ewige Stadt noch immer als Echokammer der vielen literarischen und historischen Stimmen gelten, jetzt wo eine Filiale der Uni Credit Bank an der Stelle steht, wo Caesar ermordet wurde? Spricht Rom noch zu uns, oder erstickt die Stadt in der Banalität unserer Wirklichkeit? Simon Strauß spricht in Römische Tage von der Gleichzeitigkeit der großen Geschichte Roms und unserer zeitgenössischen Wirklichkeit.

Wir sprachen mit Autor und Publikum über das Schreiben im Jahr 2020, wo doch alles schon gesagt wurde, über Simon Strauß’ politisch-utopisches Programm, das er in seinem Aufsatz „Bürgerliche Bekenntniskultur statt Identitätspolitik“ entwickelt, und über die Arbeit im Verein “Arbeit an Europa“. Der Verein möchte sich dem Wesen Europas nähern, und den Mitgliedern ist ein europäischer Geist und Pathos in Bezug auf die Idee Europas noch wichtiger als Wirtschaft und Politik. Das alte Reden über Europa ist am Ende. Über das Sprechen in Deutschland sagt der junge Autor, dass wir darauf achten müssen, die Sprache nicht verrohen zu lassen, obgleich wir sie nur noch wie “gekochtes Gemüse” zu vertragen scheinen. Folgt man den Diskursregeln der intellektuellen Eliten nicht, besteht die Gefahr, aus der öffentlichen Diskussion ausgeschlossen zu werden.

Zum Schluss sprachen wir über das Schöne, das kein Zuckerguss sein soll, sondern die zentrale Größe. Welche Kraft kann das Schöne entfalten? Wie kann es sich gegenüber der Dominanz von Politik und Wirtschaft in Deutschland behaupten? Wie vermitteln wir den Menschen, dass die Auseinandersetzung mit dem Schönen kein Luxus ist, sondern den politisch-gesellschaftlichen Klebstoff darstellt, den es braucht, um eine Gemeinschaft zu bilden? Mehr demnächst, wenn wir wieder zusammenkommen, im Literaturhaus in Augsburg.

Wir hatten einen wunderbaren Abend mit Dir, Simon, und würden uns freuen, Dich bald wieder in Augsburg begrüßen zu dürfen!