Podcast an der Wertach – Temperamentlosigkeit, Kompromissobsession und Nummer sicher: Das Klagelied der Millennials


Scheiß auf Ironie! Setz Dich aufs Spiel! Mehr Leidenschaft, Emotion und Risiko, bitte schön! So klingt das bei Simon Strauß. In Sieben Nächte bringt der junge Autor seinen Unmut über seine eigene Generation zum Ausdruck. Katrin und ich verstehen das nur begrenzt. Am 15. Januar sprechen wir mit ihm im Römischen Museum in Augsburg über das Leben, das Schreiben, und darüber, wer wir sind und sein möchten.

Dank gebührt Michaela Melián für ihren wunderbaren Track “Kloster”.

Wir sind für eine kleine Weile in der Nähe des Literaturhauses zusammengekommen, um erneut über das Leben zu sprechen. In kurzer Entfernung zum Fluss, gleich bei den Gleisen und der alten Bahnschranke, deren blau-rote Streifen vollständig ausgeblichen sind. Abgeblätterte Farbteile liegen im Gras. Unser Treffen wird unwirklich gewesen sein, je länger es vergangen sein wird und je älter wir geworden sein werden. Wenn wir alt werden sollten, wird unser Gespräch Pate stehen für eine Zeit, „in der wir das Literaturhaus gemacht haben“ und als Teil unserer Vergangenheit, der nicht mehr verfügbar ist, im Schein seines sich Entziehens umso glorreicher und schöner erscheinen.  Wir haben über den Verlust der Zeit gesprochen. Über die „grasgrüne Vorzeit“, nach der man sich immer zurückgesehnt haben wird, die immer schöner wurde, je weiter sie sich entfernte. Die Verantwortung, die man im Leben einst übernommen haben wird, wird uns niemals von der Sehnsucht nach dem Urzustand, nach dem nicht Gewordenen, befreit haben. Egal, auf welche Weise wir unser Leben verwirklicht haben werden, mit Familie oder ohne, mit Karriere oder ohne, nur der Tod wird uns mit dem Teil des Lebens vereinigen, den wir, während wir leben, im Hintergrund immer nur als Wehmut und Sehnsucht rauschen hörten. Es ist diese grasgrüne Vorzeit, der Verlust, der an unser Menschsein gebunden ist, der uns letztlich allein, auf uns selbst zurückgeworfen, zurücklässt. Wir haben über die Möglichkeit eines Lebens gesprochen, die diesen Verlust aufhebt, ein Leben, das man heldenhaft lebt, aufs Spiel setzt, bevor man aufgibt, um doch ein echtes Leben zu leben. Oder sollte man doch alles riskieren und aussteigen? Verstecken wir uns hinter der Ironie, weil wir zu feige sind für Leidenschaft und Emotionen? Oh ja, und wir sind Katrin M. und Stefan B.